Für die Fussball-Nati stand er 76 Mal im rot-weissen Dress, als Trainer möchte er auch noch ein ganz Grosser werden: NatiFans.ch traf sich mit Andy Egli in Bern und sprach mit ihm über die Fans der Schweiz, seine Pläne und Ottmar Hitzfeld.

NatiFans.ch: Zuerst mal vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit NatiFans.ch genommen haben. Wir wissen dies sehr zu schätzen!
Im Vergleich zu 1994, wo Sie als Spieler an der WM dabei waren, geniesst die Schweizer Fussball Nati heute ein grösseres Ansehen. Warum?
Andy Egli: Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Sie empfinden es so, effektiv ist es aber nicht so. Der Grund dafür ist der Wandel der Medienlandschaft. 1989 kam RTL auf, private Fernsehstationen begannen Fussball zu übertragen. Man hat gemerkt, dass Fussball das beste Tool ist, um ein Produkt zu vermarkten. Seither ist Fussball in aller Munde. Auf die Schweiz bezogen, glaube ich nicht, dass sich die Fangemeinschaft der wirklich Fussball Interessierten in den letzten 20 Jahren vergrössert hat.
NatiFans.ch: Man sieht aber immer wie mehr Schweizer, die bei Schweizer Nati Spielen Farbe bekennen, mit roten Shirts und weissem Kreuz. Früher war doch das nicht so extrem.
Andy Egli: Das mit dem Schweizer Kreuz ist ein Modetrend. Die Masse lässt sich beeinflussen. 7 von 10 tragen solche Shirts, somit ist man "in". Was heute in ist, ist morgen vielleicht wieder "out".
NatiFans.ch: Haben Sie das Gefühl, dass das Fanverhalten aggressiver wird?
Andy Egli: Tendenziell ist es aggressiver geworden, ja. Das ist aber eine gesellschaftspolitische Entwicklung. Die Mittelschicht ist am Schwinden, und somit gibt es auch immer mehr Ärmere. In der Schicht wo man nicht viel oder gar nichts zu verlieren hat, ist ein grösseres Aggressionspotential und der Hang zu Drogen, Alkohol u.s.w. Die Grundhaltung ist heute sicher aggressiver.
NatiFans.ch: Wie kann man als Verein dagegen wirken?
Andy Egli: Beziehung aufbauen zu den Fans, kommunizieren, auseinander setzen, auf die Leute zugehen, auf die Stehrampe gehen....
NatiFans.ch: Machten Sie das als CEO in St.Gallen?
Andy Egli: Ja sicher!

NatiFans.ch: Warum hilft dies?
Andy Egli: Das baut die Distanz ab, da ich als CEO auf der anderen Seite sitzen würde, und somit ein Feindbild bin. Die Mauer brökelte ab, wenn ich mich zu den Fans gesellte, Gespräche fanden statt, man war auf demselben Niveau.
NatiFans.ch: Hat man als Trainer einen anderen Bezug zum Fan als der Spieler?
Andy Egli: Ich persönlich nicht. Die Spieler können auch nicht mehr so zu den Fans hingehen, werden aus Sicherheitsgründen abgeschirmt. Bei nur einigen Fans ist dies sicherlich auch kein Problem, wenn sich aber Massen bewegen, muss man sich schützen. Für mich selber sehe ich keinen Unterschied. Ein Trainer ist heutzutage im Fokus, da muss man eine gewisse Distanz wahren. Man hat schon fast einen Star Status, obwohl ich mich nicht als solcher fühle. Und wenn man das verkörpert, heisst das, man ist bereit Nähe zu akzeptieren. Jeder Fan kann also auch mit einem sprechen. Das kostet unheimlich viel Substanz. Deshalb baut man sich auch als Trainer eine Wand zum Schutz auf, schliesslich muss man sich auf den Match und Spieler konzentrieren.
NatiFans.ch: Auf Ihrer Webseite www.andy-egli.ch ist zu lesen: "Erfolgreich sein basiert auf 20% Fachkompetenz und 80% Lebensintelligenz." War das Köbi's Erfolgsgeheimnis?
Andy Egli: Würd ich sagen.
NatiFans.ch: Vor einem Jahr sagten Sie: "Ich bin auch bereit Köbi als Natitrainer zu beerben - ich bin bereit." Ist ein Traum geplatzt?
Andy Egli: Solange ich existiere sind die Träume und Visionen für mich da und somit auch nicht geplatzt. Ich kann noch lange Trainer sein. Ich sagte auch viele Male, dass ich mir vorstellen könnte Trainer von Bayern München zu werden oder Arsenal London trainieren. Das sind alles Teile der Spitze, an diese Spitze möchte ich auch mal. Für dies muss aber die Konstellation stimmen. Es muss für 3 Parteien stimmen: für mich, den Arbeitsgeber und meine Familie.
NatiFans.ch: Mit Ottmar Hitzfeld hatten Sie viel Auseinandersetzungen. Wie sieht es nun aus?
Andy Egli: Ich habe nun ein gutes Verhältnis zu ihm. Die Erfolge sprechen ja sicherlich für ihn. Ich bewundere die Art und Weise, wie er dies realisiert hat. Diese Ruhe, Gelassenheit, Zurückhaltung, diese Bescheidenheit. Dies birgt die Gefahr, dass die angestauten Emotionen mal zum Ausbruch kommen, dass der Körper dies nicht mehr verkraftet. Deshalb war er auch mal krank. Ich wünsche ihm, dass er die Balance findet.

NatiFans.ch: Sie kennen Inler von Aarau her. Wo sehen Sie seine Stärken?
Andy Egli: Er ist ein Topspieler. Ich bin überzeugt, dass er auch top an der EM spielt. Der Entwicklungsprozess wird zeigen, wie weit er kommen kann. Ich meine, er wird über 100 Länderspiele absolvieren und auch vom Standart her einen noch besseren Verein als Udinese finden. Von der Ausgangslage steht ihm nichts im Wege, das Mentale ist massgebend.
NatiFans.ch: Zum Schluss noch 3 Kurzfragen. Nach einem Spiel tauschen sich die Spieler die Trikots. Von all den erhaltenen sind Sie auf welches am stolzesten?
Andy Egli: Ich habe viele, aber es gibt keine Vorliebe.
NatiFans.ch: Wer wird Europameister?
Andy Egli: Italien.
NatiFans.ch: Schafft es die Schweizer Nati über die Vorrunde?
Andy Egli: Sie werden das Viertelfinal erreichen.
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